Frau Pfarrerin Monika Kreutz

Pfarrerin Monika Kreutz
Telefon:

0177-7012931

Mail: monika.kreutz.kgm.neuhofundorlen@ekhn-net.de

Liebe Gemeinde!

 

 

Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.

 

Das sind wohl die berühmtesten Worte von Martin Luther. Gesprochen vor Kaiser und Papst auf dem Reichstag zu Worms. Seitdem steht er da - in Bronze und Stein und in Plastik. In Kirchen und auf Marktplätzen. Der standhafte Luther. Dass er hierzulande noch einen Stand hat, haben wir in diesem Jahr gesehen und gefeiert. Mit einem Essen wie zu Luthers Zeiten, Gesprächsabenden zu reformatorischen Themen, einer Predigtreihe zu Frauen der Reformation, mit einem Luthermusical, einem Lutherfest und vielem anderen mehr. Am 31. Oktober ging das Reformationsjahr zu Ende, und wir feierten in einem festlichen Familiengottesdienst 500 Jahre Reformation. Auch unser Jubiläumsjahr 300 Jahre Neuhofer Kirche haben wir gebührlich mit einem Festgottesdienst und anschließendem Gemeindefest begangen, die neue Glocke eingeweiht und sie beim Reformationsgottesdient das erste Mal in Neuhof erklingen lassen.

 

Vielleicht fragen Sie jetzt: Und - was hat‘s uns gebracht? Außer einem zusätzlichen Feiertag? Ich denke, es hat uns Martin Luther auf unterschiedliche Weise näher gebracht. Den Mann mit der Standfestigkeit, der so viel in Bewegung gebracht hat. Mit diesem „hier stehe ich…“ hat sich Luther ja zum Staatsfeind Nummer 1 gemacht. Weil er ein überaus einträgliches Geschäftsmodell vermasselt hat. Eines, das es bis heute noch gibt. Es lautet: Mach den Leuten Angst. Rede ihnen ein, dass nur du ihre Angst nehmen kannst. Und dann verkaufe deine Idee. Du kannst ihnen auch sagen, dass sie hässlich sind und dass nur du sie wieder schön machen kannst. Du kannst ihnen sagen, dass sie Hab und Gut verlieren, wenn sie dir nicht folgen. Rede ihnen ein, dass du Gott bist. Der einzige, der ihnen helfen kann… Gegen dieses Geschäftsmodell ist Luther aufgestanden. Und hat die Freiheit eines Christenmenschen ausgerufen: „Lebt nicht so, wie Andere es gerne von Euch hätten. Lebt so, wie Gott im Himmel Euch gemeint und wofür er Euch geschaffen hat. Und Gott wird Euch durch Eure Ängste hindurch in die Freiheit der Kinder Gottes führen.“  Dafür steht Martin Luther. Zu Recht.

 

In Neuhof und Orlen steht keine zentrale Lutherstatue auf dem Marktplatz. Heißt das, bei uns können seine Ideen schnell wieder in Vergessenheit geraten? Außer Thesen nix gewesen? Ich frage mich, wohin führen uns die reformatorischen Gedanken, haben sie unser Gemeindeleben beflügelt? Können auch wir eine Aufbruchstimmung wahrnehmen, oder lassen wir lieber die „Kirche im Dorf“ und alles beim Alten wie es schon immer war? Der Kirchenvorstand wird sich auf seiner Klausurtagung im kommenden März mit den Fragen beschäftigen: Wohin geht unsere Gemeinde? Was macht uns zukunftsfähig? Was haben wir für Ideen, Wünsche, Vorstellungen, die wir gerne in den kommenden Jahren realisieren wollen? Dabei können Sie uns mit Ihren Anliegen unterstützen. Ich möchte Sie gerne ermutigen, schreiben Sie uns Ihre Wünsche, Ihre Anliegen und auch Ihre Kritik an dem, was Ihnen momentan nicht gefällt. Unterstützen Sie den Kirchenvorstand darin, eine Vision für eine lebendige Kirche in Neuhof und Orlen zu entwickeln. Schreiben Sie uns auch, mit was Sie momentan zufrieden sind, damit wir uns darin bestärkt sehen können, diese Angebote beizubehalten. Fehlt es Ihnen vielleicht an geistlich-spirituellen Angeboten? Hätten Sie gerne mehr Ausflugsfahrten und Exkursionen? Möchten Sie gerne mal an einem Bibelkurs teilnehmen? Was auch immer Sie bewegt oder Sie vermissen, wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen!

 

Unsere Landeskirche hatte sämtliche Aktivitäten rund um das Reformationsjubiläum mit dem Titel „Gott neu entdecken“ überschrieben. Darin wird das reformatorische Anliegen sichtbar, dass sich die Kirche, wie auch jeder Mensch ständig in reformatorischen Prozessen befindet. Mir ist wichtig, dass auch wir in unserer Gemeinde uns immer wieder auf die Suche begeben, Gott neu zu entdecken. Dass wir neue Ausdrucksformen finden, neue Angebote schaffen, die alte Botschaft zeitgemäß zu formulieren. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch einen göttlichen Funken in sich trägt. Wenn dieser Funke entfacht wird, sich mit anderen vereint, dann wird er zum hell leuchtenden Feuer. „Leuchtturmgemeinde“ –so nennt man die Gemeinden, die weit über ihre Grenzen hinaus strahlen und andere durch ihr Leuchten, ihr Strahlkraft und ihre Wärme anziehen. Gemeinde, als Ort der Geborgenheit, als ein Ort, in dem Leben geteilt, Freud und Leid miteinander getragen wird.  Dieses Bild ist mir gerade auch angesichts einer Zeit, in der immer weniger Menschen miteinander sozial zu tun haben, sehr wichtig. Hier bei uns gibt es noch eine Nische. Wir reden noch miteinander, wir tauschen uns aus, aber diskutieren wir auch kontrovers? Oder verkriecht sich da nicht doch jeder in sein eigenes religiöses Wohnstübchen? „Gott neu entdecken“- bedeutet auch andere Meinung zuzulassen, offen zu sein für vielfältige Interpretationen. „Über den Glauben kann man nicht streiten“, so höre ich es manchmal. Vielleicht müssen wir ja nicht streiten, sondern einfach mal anfangen darüber zu reden und Religion nicht zur Privatsache werden lassen. Indem wir uns konstruktiv auseinandersetzen, festigen wir unsere eigene Glaubenshaltung, vergewissern uns auf welchen Fundamenten unser Leben steht und was uns trägt „im Leben wie im Sterben“. Wir wissen heute, dass selbst wenn alle naturwissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, nicht eine einzige existentielle Frage unseres Daseins damit auch beantwortet ist. Denn Gott entzieht sich jeder instrumentellen Vernunft. Gott kann nur erlebt, gefeiert, erspürt- nicht aber bewiesen werden.

 

Und so möchte ich Sie ermutigen, sich immer wieder auf dieses Wagnis einzulassen. Feiern Sie mit uns als Gemeinde, lassen Sie uns miteinander über unseren Glauben reden, suchen Sie die Angebote, die Sie spirituell erfüllen und die Ihr Leben bereichern. Und das in aller reformatorischen Freiheit, die in einem Gedicht von Fabian Vogt sehr gut zum Ausdruck kommt.

 

 

FREISEIN

 

Frei sein

 

Selbstbewusst

 

Selbst bewusst

 

und nicht gelassen

 

weil nichts mehr mich gefangen nimmt

 

weil nichts mehr mich bestimmt

 

weil nichts mehr meine Träume hemmt

 

weil nichts mehr mich beschränkt

 

 

 

Einfach ICH

 

vom gelebt Werden zum Leben

 

vom bestimmt Werden

 

zur Bestimmung

 

vom verlachte Werden zum Lachen

 

Einfach Ich

 

alle Chancen nutzen können

 

alle Ängste vertreiben können

 

Einfach ICH

 

 

 

Ich

 

frei von den Zwängen

 

der Zeit

 

der Gesellschaft

 

der Kultur

 

der Unsicherheit

 

der Engstirnigkeit und

 

der Leere

 

Ich halte inne.

 

So eine Freiheit

 

so eine Freiheit

 

gibt es die?

 

Müsste ich dann nicht frei sein

 

von mir?

 

 

 

Langsam begreife ich,

 

 dass ich mich nicht befreien kann

 

und versuche,

 

den Mut zusammen zu kratzen

 

um mich in die Hände

 

dessen zu geben,

 

der mir Freiheit verheißt.

 

 

 

In freiheitlicher Verbundenheit herzlichst Ihre Pfarrerin Monika Kreutz

 

 

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