Frau Pfarrerin Monika Kreutz

Pfarrerin Monika Kreutz
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Mail: monika.kreutz@ekhn.de

Auf ein Wort mit der Pfarrerin

 

Liebe Gemeinde!

“Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zu frischem Wasser“ (PS.23,3).

Diese Worte aus Psalm 23 waren in unseren Erntedankfestgottesdiensten die Grundlage einer Beschäftigung mit einem Thema, das seit über einem Jahr in einer neuen Art und Weise Gesellschaft, Politik und Kirche durchschüttelt. Die Fridays for Future (fff) Bewegung hat ihren Finger tief in eine Wunde gelegt, die seit Jahren größer wird.
„Ich kann das Thema nicht mehr hören! Das, was heute durch die Medien geht, das wissen wir doch schon seit 30 Jahren“, sagte mir ein promovierter Agraringenieur. Worauf ich ihm geantwortet habe: „Genau das ist ja das Schlimme daran und was ist seitdem getan worden?“ Was hat meine Generation der heute 50jährigen wirklich getan um die herannahende Klimakatastrophe zu verhindern? Die Welle herannahen sehen haben die Wissenschaftler schon lang, doch es bedurfte des Mutes eines damals 14 jährigen Mädchens, sich in Schweden freitags vor ein Rathaus zu stellen und mit einem Protest zu beginnen, der heute zu einer weltweiten Massenprotestbewegung geworden ist. Greta Thunberg hat mit ihrer Rede vor dem UN-Klimagipfel ihrer Betroffenheit Ausdruck verliehen für das Nichtstun einer ganzen Generation: „Menschen leiden. Menschen sterben. Wir befinden uns am Anfang eines Massen- Aussterbens, und alles, woran Ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum“, sagt Thunberg auf dem Klimagipfel in New York. An ihr scheiden sich die Geister. Die einen wollen die Schüler wieder zurück zur Schule schicken, nach dem Motto: „Lernt erst mal was, bevor ihr mitreden könnt“, worauf die Schüler antworten: “Wenn wir nicht protestieren, gibt es bald keine Welt mehr, für die es sich zu lernen lohnt.“ Die anderen schließen sich den Protesten an und spüren die immer größer werdende Kraft dieser Bewegung, die es geschafft hat, sogar den Ausgang der Europawahl zu beeinflussen. Die Parteien, die ein dezidiert ökologisch-klimabewusstes Profil haben, wurden mit Stimmen belohnt. Es sind diese Parteien, die künftig die Politik in Europa vertreten sollen: klimagerecht- menschengerecht.
Auch die evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat sich dieser Bewegung gegenüber positiv und aufgeschlossen gezeigt und sich der „Churches for Future“ Bewegung (Kirchen für die Zukunft) angeschlossen. Sie hat sich u.a. beim weltweiten Klimastreik der Fridays-For-Future-Bewegung am 20. September beteiligt. In Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Gießen und vielen weiteren Orten waren Gemeinden und Dekanate auf den Beinen. „Es ist wichtig, dass die Stimme der Kirche für die Bewahrung der Schöpfung vor Ort hörbar wird“, so Kirchenpräsident Dr. Volker Jung.
Nach Worten Jungs ist „die Sorge um eine gute und lebenswerte Welt für die nächsten Generationen eine vordringliche Aufgabe“. Die Frage des Generationenvertrages ist hierbei unmittelbar betroffen. Ein Beispiel: Wenn es den Gegenwert von 180 Euro kostet eine Tonne CO2 Ausschüttung klimaneutral zu bezahlen, warum schlägt dann das neue Klimagesetz der Bundesregierung vor, erstmal mit 10 Euro anzufangen? Wer soll denn dann die fehlenden 170 Euro bezahlen?
Die nächste Generation! So wird die Klimalast von heute auf die Schultern derjenigen gelegt, die eigentlich in der Schule sitzen sollten um zu lernen. So hat es Greta ausgedrückt: Ich sollte jetzt nicht hier sein, ich sollte eigentlich in Schweden sein und die Schulbank drücken. Stattdessen bin ich hier, weil ihr mir keine andere Wahl lasst als gegen diese Generationenungerechtigkeit zu demonstrieren. „Ihr habt mit Euren leeren Worten meine Träume und meine Kindheit gestohlen“, sagt sie. „Ihr seid immer noch nicht reif genug zu sagen, wie es wirklich ist. Ihr lasst uns im Stich. Alle kommenden Generationen haben Euch im Blick und wenn Ihr Euch dazu entscheidet, uns im Stich zu lassen, dann entscheide ich mich zu sagen: Wir werden Euch nie vergeben! Wir werden Euch das nicht durchgehen lassen!“
Das sind harte Worte angesichts eines harten Ringens im Wettkampf um die Zeit. Ein älterer Herr, mit dem ich sprach, sagte mir: „Wir hatten in unserer Generation so viel zu tun unsere Vergangenheit aufzuarbeiten und mit der Gegenwart klarzukommen, dabei haben wir vergessen auf die Zukunft zu schauen“. Diese Haltung schlägt nun unbarmherzig zurück. Schaffen wir es nicht die Erderwärmung aufzuhalten, bevor sie auf 2 Grad Celsius steigt, dann steigt der globale Meeresspiegel bis 2100 um zusätzliche 30-60 Zentimeter an.
Dann bürden wir der kommenden Generation enorme Wasserknappheit, Flutschäden, jährliche „Jahrhundertflutwellen“ und Flüchtlingswellen auf, eskalierende Kosten und Risiken unseres zögerlichen Handelns.
Die Bewahrung der Schöpfung ist schon seit Jahrzehnten ein zentrales Thema für die Kirche. Manch einer erinnert sich an den „Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“, der vom Ökumenischen Rat der Kirchen Ende der 1980iger Jahre beschlossen wurde. Er weist auf die Antiposition zu Gier Macht und Krieg hin. Wer nach Gerechtigkeit strebt, will nicht seinen Reichtum vermehren, wem Mitmenschen und Umwelt am Herzen liegen, der verzichtet auf Streit und extensiven Ressourcenverbrauch.
Und die Kirchen fordern, dass sich analog die Prioritäten für Wirtschaftsstrukturen und Politik verschieben. Der Konziliare Prozess hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Wenn wir als Theologen den Begriff „Schöpfung“ gebrauchen, dann ist damit etwas anderes gemeint als die vorfindliche Welt. Schöpfung bedeutet, dass wir unser Lebens in Beziehung zu Gott verstehen. „Schöpfung“ ist eine Beziehungsaussage, keine naturwissenschaftliche Definition, wie die Erde entstanden ist. Wir glauben, dass es eine unsichtbare Kraft gibt, die wir Gott nennen, die unsere Welt geschaffen hat und sie uns geschenkt hat, um sie zu „bebauen und zu bewahren“, wie es im 2. Schöpfungsbericht heißt. Nicht um sie auszubeuten und auszurauben auf Kosten der nachfolgenden Generation und auch nicht auf Kosten derjenigen, die heute nicht so privilegiert leben, wie wir es tun. Ein 19 jähriger junger Mann, Maurice Conrad, hat auf der fff Demo in Mainz gesagt: „Unser Wohlstand und unser Konsum sind gebaut auf den Gräbern der 3. Welt.
Es gibt kein moralisches Recht darauf die Lebensgrundlage anderer Menschen durch den eigenen Konsum zu zerstören.“ Wenn wir nicht schuldig werden wollen an der heutigen jungen Generation und an den Kindern dieser Welt, dann müssen wir alle unsere Lebenshaltung und unseren Lebensstil noch einmal überprüfen. Dann müssen wir uns als Christinnen und Christen einsetzen für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder, sowie aller Menschen. Wir müssen uns mit den jungen Menschen solidarisieren, mit ihnen auf die Straße gehen oder uns mit ihnen in den sozialen Netzwerken solidarisieren und sie unterstützen. So tut es z.B. die Parents for Future (Eltern für Zukunft) Gruppe Taunus, die sich gerade auf facebook gegründet hat um den Protest der Jugendlichen mit ihrem know how zu unterstützen. Wir müssen „als Christinnen und Christen hörbar und sichtbar mit dabei sein, wenn es darum geht, für Klimagerechtigkeit und für die Zukunft der von Gott geschaffenen Erde einzutreten“, macht Kathrin Saudhof klar, Referentin für Klimaschutz im hessen-nassauischen Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung (Mainz).
Auf die „Ehrfurcht vor dem Leben“ hat schon vor 100 Jahren Albert Schweitzer aufmerksam gemacht. Er hat den ethischen Imperativ formuliert „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“. Lassen wir anderen Menschen auch ihren Lebensraum, werden wir aktiv, um das größte Aussterben der Geschichte zu verhindern.

Wie? Ich vermute jeder von uns weiß, wo er oder sie ansetzen kann, um klimafreundlicher zu fahren, zu reisen und zu leben. Schieben wir es nicht mehr vor uns her oder von uns weg auf die andern hin, sondern lassen Sie uns alle gemeinsam aktiv werden um diese wunderbare Schöpfung Gottes im göttlichen Sinn zu „bebauen und zu bewahren“.

Herzlichst Ihre Pfarrerin
Monika Kreutz

Zwischen Jerusalem und Amman

Unsere Pfarrerin Monika Kreutz auf einem Pastoralkolleg in Nahost

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