Frau Pfarrerin Monika Kreutz

Pfarrerin Monika Kreutz
Telefon:

0177-7012931

Mail: monika.kreutz.kgm.neuhofundorlen@ekhn-net.de

Auf ein Wort mit der Pfarrerin

 

Liebe Gemeinde!

 

Im April dieses Jahr hatte ich Gelegenheit mit 25 Kolleg_innen Jordanien, Israel und Palästina zu besuchen. Das war eine so außergewöhnliche Reise mit so vielen besonderen Begegnungen, dass ich sie gar nicht hier in einem Gemeindebrief zusammenfassen kann. So habe ich mich entschieden, meinen Bericht auf drei Gemeindebriefe zu verteilen. Heute soll es um die christlichen Schulen gehen, die ich besichtigen durfte. Im nächsten Bericht hören Sie die Stimmen von ganz besonderen Frauen aus diesem Kulturkreis, denen ich begegnet bin. Und als dritten Teil möchte ich das schwere Thema des Israel-Palästina Konfliktes aufgreifen. Wer jedoch meinen Reisebericht als Ganzen und mit Bildern unterlegt von mir hören möchte, der sei herzlich am Mittwoch, dem 24. Oktober von 19.30-21.30 Uhr ins Gemeindehaus in Neuhof eingeladen.

 


 

Schaue ich auf die vier Schulen, die wir besucht haben, dann wird mir zum einen deutlich, wie wichtig der christliche Beitrag in dieser umkämpften und sensiblen Region ist. Seit vielen Jahren setzen sich hier Deutsche aktiv für Frieden und interreligiöses Zusammenleben ein, getragen von einem christlichen Welt-und Menschenbild, indem jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist und gleich viel Würde besitzt. Hier wird aber gerade auch im Blick auf behinderte Menschen deutlich, welche Sprengkraft Jesu Worte und Handlungen in den Heilungsgeschichten besitzen. Es scheint sich in diesem Kulturraum wenig seit seiner Zeit verändert zu haben. Behinderte Menschen werden immer noch aus der Gesellschaft ausgegrenzt, Jesu hat sie damals zurückgeholt und ihnen ihre Würde und soziale Integration zurückgegeben. Schließlich ist mir auch bewusst geworden, wie wichtig unsere Spendengelder für diese Schulen sind. Ohne uns könnten sie ihre wertvolle Arbeit nicht fortsetzen. Möchten auch Sie für eine der Schulen spenden? Ich hänge jeder Schule die Spendennummer an.

 

In einem Vorort von Amman (Hauptstadt von Jordanien) liegt die Theodor Schneller-Schule. 1860 in Jerusalem gegründet durch den schwäbischen Pietisten Johann Ludwig Schneller, diente sie nach dem drusisch-maronitischen Bürgerkrieges in Syrien zunächst als Waisenhaus. Ludwig Schneller nahm schon damals darin Waisenkinder auf, ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit. Kinder christlichen, muslimischen und jüdischen Glaubens haben in seinem Haus zusammengelebt, gegessen und gelernt in Respekt vor der Religion des Anderen. Seit diesen Anfängen ist die Idee der Friedenserziehung gewachsen und auch heute, trotz manchen Rückschlägen, lebendig und stark. Nachdem das Syrische Waisenhaus im Zuge des Zweiten Weltkrieges und der Gründung des Staates Israel geschlossen werden musste, entstanden in Khirbet Qanafar im Libanon und in Amman in Jordanien Schneller-Schulen, welche die Schneller-Idee weitertragen.

 

 

 

Heute liegt die Schule nahe an einem Palästinensischen Flüchtlings-Camp, in dem seit 70 Jahren Palästinenser in einfachen Behausungen leben und darauf warten, in ihr Land Palästina zurückkehren zu können. Viele Kinder aus diesem Flüchtlingscamp besuchen die Schule und manche haben sogar die Möglichkeit im Internat auf dem Schulgelände zu leben und zu lernen.

 

Getragen wird die Schule von Trägervereinen in der Schweiz und in Deutschland. Es ist beeindruckend zu sehen, was durch die Gelder der Trägervereine an Gutem seit über 50 Jahren in dieser Region bewirkt wurde und noch wird. Vor allem das interkulturelle Miteinander von evangelischen, maronitischen, katholischen und orthodoxen Christen, Sunniten, Schiiten und Drusen zeichnet die Schule aus. Durch ihr Zusammenleben lernen und erleben die Kinder täglich die Freundschaft miteinander, den Respekt voreinander und vor der Religion des Anderen und bilden so einen wichtigen Baustein für eine friedlichere Zukunft im Nahen Osten.

 

(Spendenkonto Schweizer Verein für die Schneller-Schulen im Nahen Osten Postkonto 40-11277-8 oder IBAN: CH62 0900 0000 4001 1277 8)

 

Besonders beeindruckt hat mich der Besuch der Arabisch-anglikanischen Schule in Irbid in Nordjordanien. Getragen wird sie vom EMS (Europäische Mission in Solidarität) in Stuttgart. „It only seems to be impossible until it´s done“ (es sieht nur so lange unmöglich aus, bis es verwirklicht ist)- dieses Motto hat die Arabisch-anglikanische Schule in Irbid nicht nur auf einem selbst gestalteten Plakat an der Wand hängen, sondern setzt es Tag für Tag um. Die  integrative Schule besuchen derzeit 270 blinde, sehbehinderte und sehende Kinder ab Kindergartenalter bis zu 10. Klasse. Viele Eltern in Jordanien schämen sich für ihre blinden Kinder und verstecken sie zu Hause. Die integrative Schule in Irbid schenkt den Kindern Perspektiven – mit Aufklärung und guter Bildung.

 


 

 

Stellen Sie sich vor, wie klein die Welt ist, wenn sie durch vier Wände begrenzt ist. Es ist eine sehr einsame Welt, die blinde Kinder in Jordanien erleben. Die Gesellschaft empfindet sie oft als Schande, weshalb sie von ihren Eltern zu Hause versteckt werden. Doch ohne Schulbildung haben die Mädchen und Jungen keine Möglichkeit, jemals selbstständig zu leben oder zu arbeiten. Die integrative Blindenschule "Arab Episcopal School" in Irbid unterrichtet deshalb blinde und sehende Kinder gemeinsam. Im Unterricht erhalten die blinden Kinder Hilfsmittel wie beispielsweise Lernmaterial in geprägter Braille-Schrift. Dafür besitzt die Schule einen speziellen Braille-Drucker. In der Bücherei stehen Bücher in Braille-Schrift ganz selbstverständlich neben Büchern für Sehende. Und es gibt "sprechende Computer", die die sehbehinderten und blinden Schülerinnen und Schüler über die Sprachausgabe benutzen. Kein Wunder, dass sich die Kinder an ihrer Blindenschule respektiert und geborgen fühlen. Das Schulpersonal traut ihnen zu, dass sie genau wie die anderen lesen und schreiben lernen und sie auch all die anderen Fächer, die auf dem Stundenplan stehen, besuchen. Und jedes Jahr fährt der Leiter der Schule, Rev. Samir Esaid nach Deutschland um Spendengelder für seine Schule zu sammeln und auch um auf der Messe in Frankfurt nach neuesten Lernhilfen für seine blinden Schüler Ausschau zu halten.

 


 

Hier lernen sehende und blinde Kinder gemeinsam! Das integrative Konzept ist in der Region einzigartig. Zwei Drittel der Schulkinder können sehen, ein Drittel ist sehbehindert oder blind. Das gemeinsame Schulbankdrücken schweißt sie alle zusammen.

 

 „Leider ist unsere Gesellschaft noch nicht soweit, unbefangen damit umzugehen, dass Kinder krank oder behindert sind“, erklärt Pfarrer Esaid. „Deshalb werden viele von ihnen versteckt, sogar vor der eigenen Familie.“ Umso wichtiger, dass sie bereits hier in der Vorschule alles lernen, was sie für den Schulbeginn brauchen – und sei es „nur“ Bewegung und Vokabeln, um ihre Umwelt zu begreifen.

 


 

Ich bewundere den Einsatz von Pfarrer Samir Esaid und seiner Frau, die auch in die entlegensten Orte fahren und dort nach blinden Kindern suchen, die vielfach in den Großsippen versteckt werden. Krankheit wird in der muslimischen Gesellschaft vielfach als Strafe Gottes angesehen und blinde Kinder hätten ohne diesen großartigen Einsatz keine Chance auf einen Schulbesuch und damit auf ein selbstbestimmtes Leben.

 

Tragisch an der Situation ist, dass die Häufung der Behinderung durch das Heiraten innerhalb der eigenen Großsippe weiterhin anhält und es noch niemand gewagt hat, aus diesem Teufelskreis auszusteigen.

 

(Spendenkonto: Evangelische Mission in Solidarität (EMS), Evangelische Bank
IBAN: DE85 5206 0410 0000 0001 24, BIC: GENODEF1EK1 )

 

 

 

Die nächste beeindruckende Schule, die wir besuchen, war Talitha Kumi in Beit Jala bei Bethlehem. Hier, im besetzen Palästina, war der Konflikt zwischen Israels und Palästinensern zum Greifen nah. Umso beeindruckender, dass es hier eine Schule gibt, seit über 150 Jahren, die diesem Konflikt trotzt und internationale Berühmtheit erlangen hat. 

 

 

Zu Talitha Kumi gehören ein Kindergarten, eine Schule von der ersten Klasse bis zur Hochschulreife, eine Hotelfachschule, ein Mädcheninternat und ein großes Gästehaus. Alle Einrichtungen befinden sich auf einem ca. 10 ha großen Gelände auf einer bewaldeten Anhöhe 10 km südlich von Jerusalem. Talitha Kumi ist aramäisch und bedeutet: „Mädchen, steh auf!“ (Mk 5, 41). Dieses Jesuswort ist bis heute Name, Programm und Auftrag für die älteste evangelische Schule in Palästina, die 1851 gegründet wurde. Seit dieser Zeit ist die friedliche Botschaft des Evangeliums die Leitlinie für Talitha Kumi.

 


 

Das Bildungszentrum bietet palästinensischen Mädchen und Jungen in einem konfliktgeladenen Umfeld einen sicheren Platz zum Lernen. Hier können die Kinder ein deutsches Abitur machen und haben damit die Möglichkeit an einer deutschen Uni zu studieren. Immer wieder haben wir auf unserer Reise Menschen getroffen, die diese Schule besucht haben und dort ausgebildet wurden. Unter anderem Frau Dr. Sumaja Farhat-Nasser, von der ich das nächste Mal berichten werde. Sie alle sprechen in höchstem Respekt von dieser deutsch palästinensischen, koedukativen, evangelisch-lutherischen, aber interreligiösen, privaten Gesamtschule.

 


 

„In diesen Räumen wird über Frieden diskutiert“ meinte der Lehrer Zaki Issa, der gleichzeitig sein Bedauern darüber ausdrückte, dass es nur noch 1 % Christen in Palästina gibt. Ursächlich dafür ist die Frage nach der eigenen Zukunft der jungen Menschen. „Wir atmen die gleiche Luft und trinken das selbe Wasser“, diese Worte gab uns Zaki Issa mit auf unseren Begegnungsweg. 

 

 

 

(Spendenkonto: Berliner Missionswerk, Evangelische Bank IBAN: DE86 5206 0410 0003 9000 88, BIC: GENODEF1EK1)

 

Kurz vor unserer Abreise durften wir dann noch das neu erbaute Gebäude von „Life-Gate“ besuchen.

 

 

 

Hier wirkt seit über 30 Jahren Pfarrer Burkardt Schunkert, der das Projekt mitbegründet hat.  Life Gate-Tor zum Leben, eine Einrichtung für Kinder mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen, betreibt verschiedenste Therapieeinrichtungen, einen Kindergarten, eine Schule und mehrere Werkstätten.  Schritt für Schritt hat sich auch diese Schule vergrößert und hat den Anspruch von Menschen mit körperlichen  und geistigen Behinderungen individuelle zu fördern. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich hier eine Therapiestätte entwickelt hat, die immer weiter wächst und sich trotzdem zu weiten Teilen durch einen Förderverein, ein kreatives Management  und den Verkauf von eigenen Produkten selbst trägt. Pfarrer Schunkert verdeutlicht: „Im Teilen machen wir die Erfahrung, dass das, was wir haben immer mehr wird… und die Körbe haben wir auch schon aufgestellt.“

 


 

Einzigartig ist auch die Elternarbeit für die Region. Da es sich für viele Mütter nicht lohnt, die Kinder morgens zu bringen und wieder heimzufahren, um sie nachmittags wieder abzuholen, blieben sie gleich in der Schule und werden „angelernt“ um ihrem Kind und anderen im Erwerb motorischer und psychischer Fähigkeiten zu helfen. Darüber hinaus gibt es ein Elterncafe, das täglich geöffnet ist und als Brücke zwischen verschiedenen Nationalitäten und Religionen dient. Neben der individuellen Förderung legt Life Gate Wert auf Gemeinschaftsprojekte (z.B regelmäßige interkulturelle Veranstaltungen im eigenen Innenhof, der als Kommunikationszentrum dient oder Rollstuhlbasketballturniere zwischen palästinensischen und israelischen Kindern).  „Wir lernen nur Vorurteile abzubauen, wenn wir uns bei positiven Erlebnissen als Menschen begegnen. “

 

Mir haben vor allem die „wheelchair angels“ aus den USA imponiert. Jedes Jahr gibt es eine große Stiftung an Rollstühlen aus den USA. Damit diese individuell an die Bedürfnisse eines Kindes angepasst werden, hat es sich ein Pensionär aus den Staaten zur Aufgabe gemacht, diese Rollstühle bedarfsgerecht umzubauen und für das jeweilige Kind anzupassen. Gleichzeitig bildet er noch Lehrlinge aus, damit sein Wissen und seine Fähigkeiten auf diesem Bereich der Schule noch lange erhalten bleiben.

 


 

(Spendenkonto: Tor zum Leben — LIFEGATE Rehabilitation e.V., Kontonr: 2267581
BLZ: 79050000, Sparkasse Mainfranken, IBAN: DE88 7905 0000 0002 2675 81
Swift-BIC: BYLADEM1SWU)

 

Ich hoffe, ich habe Sie ein wenig begeistern können für die unglaublich beeindruckende Arbeit, die Menschen in Nahen Osten in diesen Schulen getragen vom christlichen Auftrag leisten. Allein schon für diese vier außergewöhnlichen Schulen hätte sich unsere Reise gelohnt. Doch auch die Frauen in diesem Kulturkreis sind ganz besonders, lesen Sie mehr im nächsten Gemeindebrief.

 

Ich wünsche Ihnen allen eine schöne, erfüllte Sommer- und Herbstzeit.

 

Seien Sie behütet

 

Ihre Monika Kreutz, Pfrn.

 

 

 

 

 

Zwischen Jerusalem und Amman

Unsere Pfarrerin Monika Kreutz auf einem Pastoralkolleg in Nahost

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