Du bist systemrelevant

Dr. Markus Zink, Referent für Kunst und Kirche Du bist systemrelevant! Bildmeditation in Zeiten des Coronavirus – 23.03.2020 Bezug: Lied EG 317,4

 

Eigentlich müsste hier ein Bild von einem Hygienhandschuh zu sehen sein, dessen Finger zu einer Segensgeste gestaltet sind.

 

Ein Hygienehandschuh. Eine Segensgeste. Solche Handschuhe werden genutzt von Pflegern und Ärztinnen. Ich sehe sie oft in diesen Tagen auch beim Einkaufen an der Kasse, im Bus, auf der Straße.

Ja, es ist ein Segen, dass es solche Hilfsmittel gibt. Vor allem ist es ein Segen, dass es Pflegekräfte gibt, Ärzte und Krankenhäuser. Zurzeit macht das Wort von den „systemrelevanten Berufen“ die Runde.

Dazu zählen die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, aber auch das Verkaufspersonal in Supermärkten und alle, die unsere Infrastruktur aufrechterhalten mit Stromversorgung, Abfallbeseitigung, öffentlicher Ordnung und so weiter.

 

Es ist ein Segen, dass es sie gibt. Sie und viele andere, ohne die wir im Dreck versinken, Hunger leiden oder um unsere Sicherheit Angst haben müssten. Ein Segen sind diese Berufsstände. „Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet!“ heißt es dazu passend in einem beliebten Kirchenlied (EG 317,4).
Diese Liedzeile lässt mich aber nicht nur an die offensichtlichen Berufe denken, oder überhaupt an Menschen mit Beruf.

Wenn über systemrelevante Berufe gesprochen wird, kann nämlich der Eindruck entstehen, alle anderen seien verzichtbar. Doch das stimmt nicht. Unser System, das Zusammenspiel aller Kräfte in unserer Gesellschaft, lebt nicht allein vom Broterwerb und nicht allein von dem, was uns am Leben hält. Leben ist mehr. Sinnvolles Leben ist mehr als Überleben. Das, was uns Sinn gibt, schenkt der ganzen Gesellschaft Zukunft. Manche, die am sozialen Rand stehen, fühlen sich vielleicht nutzlos. Doch auch auf sie kommt es im Ganzen an. Zum Beispiel lernen wir von den Hilflosen die Hilfsbereitschaft zu üben, die jede Gesellschaft braucht. Denn sonst würden wir sehr schnell am Egoismus zugrunde gehen, wenn nur die Stärksten zählten.
Systemrelevant sind auch diese: 

-Die demenzkranke Mutter, der Nachbar nach seinem Schlaganfall, das Kind im Rollstuhl. Sie bekommen so viel Liebe von ihrer Familie. Sie stärken unser Lieben-Können. Das strahlt aus wie eine ansteckende Gesundheit. -

- Die Reinigungsfachleute, die „Entsorger“, die unseren Dreck anfassen ohne Scheu, damit wir keine Sorgen damit haben.

- Kinder, die spielen, lachen, neue Rollen erproben: Sie schenken uns Zukunft.

- Obdachlose mit ihrem Sammelbecher vor der Bäckerei: Sie machen mir klar, dass kleine Verzichte niemandem wehtun, aber viel bewirken können.

- Die streitsüchtige Nachbarin, die mich Nachsicht und Geduld üben lässt. Sie erinnert mich daran, dass Nächstenliebe und Feindesliebe dasselbe sind.

- Die Erntehelfer und –helferinnen aus Polen, ohne die wir dieses Jahr keinen Spargel und keine Erdbeeren kriegen.

- Die Spaßmacherinnen, die Clowns und alle, die ihre Corona-Witze im Netz verbreiten. Sie trotzen dem Zwang und der Angst.

- Die Künstlerinnen, Schauspieler, Tänzerinnen, Maler und Bildhauerinnen: Sie sind wie das Salz in der Suppe. Ohne sie wird das Leben fad und ausdruckslos.

- Die religiösen Gemeinschaften in den Kirchen, Moscheen, Meditationshäusern und Synagogen: Sie weiten den Horizont jenseits von Konsum, Klopapier und Hygienesprays.

- Die polnische Blumenhändlerin, der griechische Änderungsschneider und der pakistanische Gemüsehändler. Sie sind sie ein Vorbild für Fleiß und Mut. Denn sie haben sich aus fast nichts eine Existenz aufgebaut, von der alle profitieren.

- Der Elektroladen, der mein Smartphone repariert, damit ich in Kontakt bleibe mit denen, die mir lieb sind. - Die Schuhverkäuferin, die mich mit einem freundlich empfängt, wenn ich zum vierten Mal dieselben Schuhe anprobiere, ohne sie zu kaufen. Sie beweist mir, dass Kunden nicht nur wandelnde Portemonnaies sind.

- Alle kleinen Angestellten, die jedes Jahr den Urlaub vom Munde absparen. Sie sind die Durchhalterinnen und Durchhalter, auf denen unser System steht.

- Die Erzieherinnen, die den Kindern mit Geduld und Erfahrung als Beispiel vorangehen, um sich im Laufe des Lebens von ihnen überholen zu lassen.

- Die Lehrer, die kritisches Denken fördern, damit wir auch in Zukunft frei leben können, und die ihr Fach lieben, um Neugier und die Liebe zum Lernen zu wecken.
- Die alte Nachbarin, die mit sechshundert Euro im Monat auskommen muss und sich nie beklagt. Sie stand mir mit gutem Rat bei, als die Scheidung mein Leben durcheinander warf. Wie kostbar waren diese Gespräche!

- Das Personal im Fitnesscenter, die freiberuflichen Trainer, die Yogalehrerin: sie machen andere äußerlich beweglich und innerlich ausgeglichen.

- Die Jugendlichen, die zu Hause büffeln und sich per Internet gegenseitig helfen. Sie sind die Teamworker der Zukunft.
 
Sie alle sind systemrelevant. Sie und viele mehr. Du bist systemrelevant. Denn Gott hat „deinen Stand sichtbar gesegnet“: deinen Platz in der Gesellschaft, in deiner Familie und deinem Umfeld. Hier bist du im Laufe deines Lebens angekommen. Ist dieser Platz nur ein Zwischenhalt oder bleibst du länger hier. Vielleicht für den Rest deines Lebens. Wer weiß? Das weiß Gott allein. Was hat dich hierher gebracht? Nicht immer das, was du wolltest oder gemacht hast. Viele andere Menschen haben dazu beigetragen. Vielleicht zu deinem Glück, vielleicht gegen deinen Willen. Doch hier bist du nun. Ein Kind des Systems. Und mehr als das: Ein Kind Gottes.

Hat Gott dich hierhin gestellt, damit du dich weiter entwickelst? Vielleicht, um dir eine Chance zu geben, dich zu bewähren und stark zu werden. Oder vielleicht, um dich zu bremsen, bevor du in eine falsche Richtung gehst. Vielleicht mit Bedauern, vielleicht mit großer Hoffnung… Das weiß Gott allein.


Doch das Lied behauptet mutig: Dieser Stand ist gesegnet. Sichtbar gesegnet. Du bist gesegnet. Du wirst gesehen. Du wirst gebraucht. Du hast alles, was es braucht, um anderen gut zu tun. Selbst wenn du nichts tun kannst, was Geld bringt, Ansehen oder Erfolg. Selbst wenn du zweifelst, ob dein Beruf und deine täglichen Mühen als systemrelevant gelten.

 

Da ist noch viel mehr – Gott sieht es. Andere sehen es auch. Die, welche mit Gottes Augen sehen. Die auch das Verborgene sehen. Lobe die göttliche Kraft, die in dir ist, dich ins Leben stellt, mit anderen und für andere. Du bist ein Segen.
 
Copyright-Hinweise: Diese PDF kann für die Arbeit in der Kirchengemeinde genutzt werden, auch in Gemeindebriefen oder auf Gemeindewebseiten. Bitte mit Nennung des Copyrights. Bilder und Texte dürfen nicht gewerblich verwertet werden. Text: © Zentrum Verkündigung der EKHN. Bild: Markus Zink, Handschuhsegen, 2020 © Zentrum Verkündigung der EKHN.

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